Folsäure in der Schwangerschaft – Warum ist das Vitamin in der Schwangerschaft so wichtig?

Jede Frau, die sich bereits mit einer möglichen Schwangerschaft beschäftigt hat, ist bestimmt auf den Begriff »Folsäure« gestoßen. Folsäure ist die synthetische Form des Folats, ein wasserlösliches B-Vitamin, das normalerweise über die Nahrung in den Körper aufgenommen wird. Was jedoch genau ist diese Folsäure? Warum ist sie besonders in der Schwangerschaft so wichtig? Und worauf sollten Schwangere unbedingt achten? Auf all diese Fragen finden Sie im Folgenden Antworten.

Wozu wird Folsäure benötigt?

Folsäure spielt eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung. Sie ist wichtig für die Neuentstehung von Zellen bzw. Geweben. Besonders bei der Bildung neuer Blutzellen hat das Vitamin eine zentrale Aufgabe. Bei einem Mangel an Folsäure funktioniert die Zellteilung nicht mehr richtig und es kommt zur Störung des Zellstoffwechsels. In einem erwachsenen Körper kann ein solcher Mangel an Folsäure im schlimmsten Fall zur Anämie – der sogenannten Blutarmut – führen.

In welchen Lebensmitteln ist Folsäure enthalten?

Da Folsäure ein Vitamin ist, welches der Körper nicht selbst bilden kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Lebensmittel, die viel Folsäure enthalten, sind grünes Gemüse, wie z. B. Spinat, Erbsen und Brokkoli. Auch in Eiern, Fisch und Fleisch ist Folsäure vorhanden. Da die Folsäure jedoch ein sehr hitzeempfindliches Vitamin ist, sollte man bei der Zubereitung der Lebensmittel darauf achten, diese schonend und mit nur wenig Wasser zu garen. Des Weiteren ist Folsäure in zahlreichen anderen Lebensmitteln zu finden, die roh verzehrt werden können. Kirschen, Salat, Erdnüsse und Haferflocken sind z. B. gute Lieferanten für das natürliche Folat. Aber aufpassen! Licht kann die Folsäure kontinuierlich zersetzen. Daher sind die entsprechenden Lebensmittel möglichst dunkel zu lagern.

Wie hoch ist der tägliche Bedarf an Folsäure?

Der Bedarf an Folsäure für Jugendliche und Erwachsene beträgt im Normalfall 400 µg pro Tag. Kinder haben einen geringeren Bedarf (etwa 300 µg). Babys benötigen etwa 60 bis 80 µg täglich. In der Schwangerschaft hat der Körper einen erhöhten Bedarf. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) gibt diesen mit insgesamt 1000 µg an. Dabei sollen etwa 600 µg an natürlichem Folat über ausgewogene Ernährung und 400 µg über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden.

Wie kann ein Folsäuremangel entstehen?

Folsäuremangel kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen kann eine unausgewogene, einseitige Ernährung ein Grund hierfür sein. Ebenso können übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen sowie eine längere Diät einen Folsäuremangel begünstigen. Auch bestimmte Medikamente, wie z. B. die Pille oder Antiepileptika, können bei einem Mangel an Folsäure eine Rolle spielen.

Woran erkennt man einen Folsäuremangel?

Wie bereits erklärt, spielt Folsäure eine wichtige Rolle bei der Zellteilung bzw. -neubildung. Ein Mangel macht sich daher dort bemerkbar, wo schnell viele neue Zellen produziert werden müssen: in den Schleimhäuten und bei der Blutbildung. Sind beispielsweise die Schleimhäute des Darms beeinträchtigt, kann dies zu Durchfall führen. Dass der Körper zu wenig rote Blutzellen (Blutarmut) produziert, zeigt sich oft durch Müdigkeit, Schwindel- und Schwächegefühl.

Wieso ist die Einnahme von zusätzlicher Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig?

Während der Entstehung und dem Heranwachsen eines Embryos müssen viele neue Zellen gebildet werden. Anschließend teilen und differenzieren sich diese Zellen weiter. Das ist der Grund für den erhöhten Bedarf an Folsäure bei Schwangeren. Dieser zusätzliche Bedarf ist nur schwer über die Nahrung aufzunehmen, zumal die Konzentration an Folsäure selbst in den folsäurereichen Lebensmitteln relativ gering ist. Auch wenn Schwangere auf eine ausgewogene Ernährung achten, kann eine optimale Versorgung mit Folsäure nicht garantiert werden. Daher raten viele Frauenärzte Schwangeren generell dazu, Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

Ab welchem Zeitpunkt sollten Frauen die zusätzliche Folsäure in der Schwangerschaft einnehmen?

Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, sollten bereits vor einer möglichen Befruchtung mit der Einnahme von Folsäure beginnen. Besonders in den ersten Schwangerschaftswochen ist die Versorgung mit ausreichend Folsäure besonders wichtig. Meist kann jedoch frühestens ab der dritten Schwangerschaftswoche eine Befruchtung mittels Schwangerschaftstest erkannt werden. Um sicherzustellen, dass der heranwachsende Embryo von Anfang an optimal versorgt wird, ist eine frühzeitige Einnahme von Folsäure erforderlich. Die DGE empfiehlt mindestens vier Wochen vor einer möglichen Schwangerschaft damit zu beginnen.

Was kann passieren, wenn ich keine Folsäure zu mir nehme?

Zunächst einmal vorweg: Es muss nicht immer gleich etwas passieren. Die Nicht-Einnahme von Folsäure kann jedoch weitreichende Folgen haben: So bildet sich innerhalb der zweiten und dritten Schwangerschaftswoche das sogenannte Neuralrohr. Dies ist eine besondere Struktur, aus welcher im späteren Verlauf der embryonalen Entwicklung das Nervensystem entsteht. Bereits in der vierten Schwangerschaftswoche schließt sich im Normalfall dieses Neuralrohr. Durch einen Mangel an Folsäure ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass dies nicht vollständig gelingt. Man spricht von einem Neuralrohrdefekt. Dieser Defekt kann zu unterschiedlichen Missbildungen führen. Die bekannteste ist der offene Rücken, der körperliche und geistige Behinderungen für den Fötus zur Folge haben kann. Des Weiteren kann eine nicht ausreichende Versorgung durch Folsäure einen Herzfehler oder die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hervorrufen.

Wie lange muss die Folsäure eingenommen werden?

Frauenärzte und auch die DGE raten dazu, die zusätzliche Folsäure mindestens bis zur zwölften Schwangerschaftswoche einzunehmen, gerne noch darüber hinaus. Auch während der Stillzeit kann die Einnahme von Folsäure sinnvoll sein, da das heranwachsende Kind alle nötigen Vitamine über die Muttermilch aufnimmt. Besonders in der Anfangszeit, in der das Wachstum und die Zellteilung rapide voranschreiten, ist die Folsäure wichtig. Wer nicht sicher ist, dass er über ausgewogene Ernährung genug des benötigten Vitamins aufnimmt, sollte Folsäure weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Eine mögliche Überdosierung von Folsäure ist derzeit nicht bekannt. Überschüssiges Vitamin kann der Körper ohne Probleme ausscheiden.